Trend

Arbeitswelt in Bewegung

Vom wuchtigen Massivholzschreibtisch im verrauchten Einzelbüro der 1950er ist nichts mehr übrig. Globalisierung, Automatisierung, demographischer Wandel und Werteveränderungen prägen mit, wie und wo heute gearbeitet wird. Mobil, flexibel und gesund soll es sein.

Von Henrik Bröker

5 Juni 2020, 14:17 Uhr

Mobilität durch Digitalisierung

In einer vernetzten Welt, in der Daten und Informationen von überall erreichbar sind, muss sich niemand mehr zum Arbeiten an einem bestimmten Ort und einer bestimmten Zeit einfinden. Künftig arbeiten die Menschen von unterwegs oder von zuhause aus. Wer das Büro vorzieht, hält Meetings auf dem Dachgarten ab oder berät sich bei einem kurzen Spaziergang. Vielleicht gibt es physische Unternehmen bald gar nicht mehr. Edgar K. Geffroy beschreibt in seinem Buch „Herzenssache Mitarbeiter“ einen fiktiven Arbeitstag 2026: Architektin Susanne ist bei einer Firma mit etwa 24.000 Angestellten angestellt, die keine eigenen Räumlichkeiten mehr unterhält. Sie arbeitet zu 90 Prozent von zuhause aus, den Rest erledigt sie in Coworking Spaces. Über Ultra-High-Speed-Netzwerke stehen alle miteinander in Kontakt. 

Effizienz durch Automatisierung

Künstliche Intelligenz kann nicht mehr nur Rechenleistung abnehmen, sondern ganze Arbeitsprozesse optimieren. Sie wird deshalb künftig bei Routinetätigkeiten wie der Fertigung, dem Verpacken, der Buchhaltung, der Datenverarbeitung oder der Qualitätskontrolle ebenso zum Einsatz kommen, wie bei Nicht-Routine-Tätigkeiten wie dem Autofahren, der Reparatur, der Planung oder der Organisation. Künftig arbeiten wir mit Robotern zusammen. Einer sitzt bereits am Empfang der Nanyang Technological University in Singapur, der 30 Sprachen spricht. Auch wird sich die Art und Weise, wie wir das Internet nutzen und erfahren, nachhaltig verändern. Künftig ist die digitale Welt nicht mehr an einen Zugang mit Monitor gebunden. Mit 3D-Brillen binden wir das Internet praktisch in die analoge Welt ein.

Gesundheit als Recruiting-Instrument

Gesundheit ist der vielleicht größte Trend unserer Zeit. Sport, Entspannung und eine ausgewogene Ernährung entsprechen dem Zeitgeist. Erwerbstätige fordern ein, dass Arbeitsbedingungen keinen schädlichen Einfluss auf ihre Gesundheit haben oder – besser noch – ihre Gesundheit fördern. Deshalb werden es sich Unternehmen künftig einiges kosten lassen, ihre Angestellten fit zu halten. Die größte Gesundheitsgefahr ist in den meisten Betrieben mittlerweile das lange Sitzen. Jeder Zweite der fast nur im Sitzen Arbeitenden würde sich gerne mehr bewegen, zeigt eine Befragung der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2016. Einiges ist bereits passiert: Jeder vierte Beschäftigte findet einen ergonomischen Arbeitsplatz zum Beispiel mit Sitz-Steh-Tisch vor. 

Unternehmen mit Verantwortung

Das alte Streitthema Work-Life-Balance kommt auch in Zukunft nicht aus der Mode. Wenn der Arbeitgeber seine Mitarbeiter auch nach 17 Uhr noch braucht, wird es schwierig mit dem Arzttermin. Unternehmen werden also mehr Angebote für Kinderbetreuung, Betriebsärzte oder Freizeitangebote schaffen müssen. 

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